Weiterbildung für Betreuungspersonen in Diskussion

Ein Studienangebot für Imame und muslimische Pädagogen käme am ehesten auf Weiterbildungsstufe infrage. Dies ist ein Resultat der Arbeitsgruppe, die im Auftrag des Bundes die heikle Frage zu klären versucht.

C. W. Bern

Das Ziel, dass islamische Religionslehrer, Prediger und andere Betreuungspersonen mit der Schweiz vertraut und im westeuropäischen Kontext ausgebildet sein sollten, ergibt sich aus mehreren Interessen. Die Gesellschaft erhofft sich davon einen Beitrag zur Integration einer Bevölkerungsgruppe mit einer «fremden», beargwöhnten Religion. Und den hier aufgewachsenen Nachkommen von Migranten wird der Glaube in ihrer Sprache (auch im übertragenen Sinn) vermittelt, die eben immer weniger die Sprache des Herkunftslandes ihrer Eltern ist.

Echt und reflektiert

Der Weg zur Etablierung von Ausbildungsstrukturen ist allerdings, gerade auch wegen der diversen Erwartungen, schwierig. Dies zeigte sich an einer Tagung an der Universität Bern, an der Antonio Loprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Universitäten, Vorschläge der von ihm geleiteten Arbeitsgruppe präsentierte. Diese wurde 2010 vom Staatssekretär für Bildung, Mauro Dell’Ambrogio, eingesetzt, nachdem eine Studie den Bedarf näher ermittelt hatte.

Die islamische Theologie enthalte neben festen auch dynamische, vom gesellschaftlichen Wandel betroffene Elemente und sei in eine Beziehung zum jeweiligen Kontext zu setzen, sagte Mouhanad Khorchide, Professor an der Universität Münster, wo eines der vier deutschen Zentren für islamische Theologie besteht. In der Diskussion verwahrte sich ein Imam dagegen, dass man an die nichtkritisierbaren Fundamente der Religion rühre, wogegen ein anderer Exponent betonte, wer den Islam so schützen wolle, ersticke ihn. Die Authentizität der vermittelten Theologie, allerdings auch im Sinn der persönlichen Reflexion, ist der Arbeitsgruppe, der Personen aus Wissenschaft, Verwaltung und muslimischen Kreisen angehören, ein wichtiges Anliegen.

Wohl auch wegen des politischen Arguments, eine öffentliche theologische Ausbildung wirke der Fundamentalismus-Gefahr entgegen, wird teilweise eine staatliche Kontrolle befürchtet. Es geht aber um die Wahrung akademischer Standards durch die autonome Universität. Für die Vertrauensbildung bei den muslimischen Gemeinschaften – die Absolventen sollen ja auch angestellt werden – könnte ein konsultatives Begleitgremium vorgesehen werden.

Neben grundsätzlichen Fragen, wie sie sich ähnlich bei jeder Theologie stellen, aber auch lösen lassen, besteht schlicht die Ungewissheit, ob eine Einrichtung in der Schweiz die «kritische Masse» erreichen könnte, ob sie genug Studierende anziehen würde und ob sich die nötigen Dozenten und Nachwuchskräfte gewinnen liessen. Ohnehin wird man auf Kooperation mit ausländischen Universitäten angewiesen sein.

Bescheidener Anfang

Die Arbeitsgruppe schlägt vor, behutsam zu beginnen, und zwar mit einem Programm der Weiterbildung. Eine Universität sollte die Führung übernehmen und eine Professur schaffen, deren Inhaber einerseits das theologische Kernprogramm zu gewährleisten, anderseits für eine anwendungsorientierte Ergänzung zu sorgen hätte. Für das Zweite wäre auf das zurückzugreifen, was an Hochschulen aller Typen bereits angeboten wird in Islamwissenschaft, Pädagogik, Kommunikation, sozialer Arbeit und anderen Gebieten. Die Kosten hätten sich die beteiligten Institutionen und der Bund zu teilen.

Ein Lehrstuhl genüge bei weitem nicht, um den Fächerkanon und die Vielfalt des Islam abzudecken, wurde eingewandt. Loprieno setzt aber darauf, dass jeder Professor früher oder später nach Kollegen und einem vollen Studiengang strebe. Es wird nun sondiert, welche Universität als «leading house» infrage käme. Von einem intellektuellen Abenteuer (im positiven Sinn) sprach der Orientalist Reinhard Schulze (Bern). Es gelte, einem gesellschaftlichen Diskurs eine Heimat im akademischen Wettbewerb zu geben.
(Quelle NZZ)

Weiterbildung für Betreuungspersonen in Diskussion

Ein Studienangebot für Imame und muslimische Pädagogen käme am ehesten auf Weiterbildungsstufe infrage. Dies ist ein Resultat der Arbeitsgruppe, die im Auftrag des Bundes die heikle Frage zu klären versucht.

C. W. Bern

Das Ziel, dass islamische Religionslehrer, Prediger und andere Betreuungspersonen mit der Schweiz vertraut und im westeuropäischen Kontext ausgebildet sein sollten, ergibt sich aus mehreren Interessen. Die Gesellschaft erhofft sich davon einen Beitrag zur Integration einer Bevölkerungsgruppe mit einer «fremden», beargwöhnten Religion. Und den hier aufgewachsenen Nachkommen von Migranten wird der Glaube in ihrer Sprache (auch im übertragenen Sinn) vermittelt, die eben immer weniger die Sprache des Herkunftslandes ihrer Eltern ist.

Echt und reflektiert

Der Weg zur Etablierung von Ausbildungsstrukturen ist allerdings, gerade auch wegen der diversen Erwartungen, schwierig. Dies zeigte sich an einer Tagung an der Universität Bern, an der Antonio Loprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Universitäten, Vorschläge der von ihm geleiteten Arbeitsgruppe präsentierte. Diese wurde 2010 vom Staatssekretär für Bildung, Mauro Dell’Ambrogio, eingesetzt, nachdem eine Studie den Bedarf näher ermittelt hatte.
Die islamische Theologie enthalte neben festen auch dynamische, vom gesellschaftlichen Wandel betroffene Elemente und sei in eine Beziehung zum jeweiligen Kontext zu setzen, sagte Mouhanad Khorchide, Professor an der Universität Münster, wo eines der vier deutschen Zentren für islamische Theologie besteht. In der Diskussion verwahrte sich ein Imam dagegen, dass man an die nichtkritisierbaren Fundamente der Religion rühre, wogegen ein anderer Exponent betonte, wer den Islam so schützen wolle, ersticke ihn. Die Authentizität der vermittelten Theologie, allerdings auch im Sinn der persönlichen Reflexion, ist der Arbeitsgruppe, der Personen aus Wissenschaft, Verwaltung und muslimischen Kreisen angehören, ein wichtiges Anliegen.
Wohl auch wegen des politischen Arguments, eine öffentliche theologische Ausbildung wirke der Fundamentalismus-Gefahr entgegen, wird teilweise eine staatliche Kontrolle befürchtet. Es geht aber um die Wahrung akademischer Standards durch die autonome Universität. Für die Vertrauensbildung bei den muslimischen Gemeinschaften – die Absolventen sollen ja auch angestellt werden – könnte ein konsultatives Begleitgremium vorgesehen werden.
Neben grundsätzlichen Fragen, wie sie sich ähnlich bei jeder Theologie stellen, aber auch lösen lassen, besteht schlicht die Ungewissheit, ob eine Einrichtung in der Schweiz die «kritische Masse» erreichen könnte, ob sie genug Studierende anziehen würde und ob sich die nötigen Dozenten und Nachwuchskräfte gewinnen liessen. Ohnehin wird man auf Kooperation mit ausländischen Universitäten angewiesen sein.

Bescheidener Anfang

Die Arbeitsgruppe schlägt vor, behutsam zu beginnen, und zwar mit einem Programm der Weiterbildung. Eine Universität sollte die Führung übernehmen und eine Professur schaffen, deren Inhaber einerseits das theologische Kernprogramm zu gewährleisten, anderseits für eine anwendungsorientierte Ergänzung zu sorgen hätte. Für das Zweite wäre auf das zurückzugreifen, was an Hochschulen aller Typen bereits angeboten wird in Islamwissenschaft, Pädagogik, Kommunikation, sozialer Arbeit und anderen Gebieten. Die Kosten hätten sich die beteiligten Institutionen und der Bund zu teilen.
Ein Lehrstuhl genüge bei weitem nicht, um den Fächerkanon und die Vielfalt des Islam abzudecken, wurde eingewandt. Loprieno setzt aber darauf, dass jeder Professor früher oder später nach Kollegen und einem vollen Studiengang strebe. Es wird nun sondiert, welche Universität als «leading house» infrage käme. Von einem intellektuellen Abenteuer (im positiven Sinn) sprach der Orientalist Reinhard Schulze (Bern). Es gelte, einem gesellschaftlichen Diskurs eine Heimat im akademischen Wettbewerb zu geben.
(Quelle NZZ)

Geheimdienst warnt vor Dschihadisten

Dschihadisten werben laut dem Nachrichtendienst zunehmend Mitglieder in der Schweiz an. Für Sicherheitspolitiker wäre eine Verwanzung von Moscheen denkbar. Der Dachverband der Muslime in der Schweiz wehrt sich.

Wie viele Dschihadisten in der Schweiz aktiv sind, will der Schweizer Geheimdienst nicht kommunizieren.
Die Öffentlichkeit ist nur über einen Bruchteil der tatsächlichen Vorkommnisse informiert. Infolge des arabischen Frühlings wären neue Destinationen bei dschihadistisch motivierten Reisebewegungen feststellbar, schreibt der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2012. «Was uns Sorge macht ist, dass es immer mehr Leute gibt, welche hierzulande Schweizer für den Dschihad anwerben», sagt Geheimdienst-Chef Markus Seiler in einem Interview mit dem «Berner Oberländer».

Es bestehe die Gefahr, dass radikalisierte Personen aus dem Kreis der in der Schweiz lebenden Diasporagemeinschaften rekrutiert würden und nach einer Ausbildung zum Dschihad im Ausland in der Schweiz aktiv werden. Erst im Juni letzten Jahres hatte das Bundesamt für Polizei (fedpol) ein befristetes Einreiseverbot gegen einen Bieler Gymnasiasten verhängt, der in Kenia wegen mutmasslicher Verbindungen zur somalischen Al-Schabaab-Miliz verhaftet wurde. Gegenwärtig kursieren Videos im Internet, auf denen ein Deutscher Dschihadist zum heiligen Krieg in Syrien aufruft, berichtet spiegel online.

Verkabelung heiliger muslimischer Räume
Die Informationen lassen Sicherheitspolitiker aufhorchen. Für Hans Fehr
(SVP), Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) ist klar, dass in solchen Fällen die vom Bundesrat vorgeschlagene Ausweitung der dem NDB zur Verfügung stehenden Mittel zum Zuge käme. «Eine elektronische Verwanzung von Moscheen muss möglich sein, wenn sich ein Verdachtsmoment erhärtet», so Fehr, «aber es wäre ein Spezialfall.» Damit es soweit käme, müsste ein Verdacht über die Prüfung mehrerer Instanzen hinweg bestätigt werden. Kommissionskollege Jakob Büchler (CVP) ist gleicher Meinung: «Es braucht eine gesetzliche Vorlage, damit Moscheen bei Terrorverdacht verwanzt werden dürften.» Würde das elektronische Abhorchen von Moscheen allerdings im Gesetzestext verankert, käme das neue Nachrichtendienstgesetz wohl kaum durch, sagt Büchler.

«Wir wehren uns dagegen, dass ein solcher Verdacht als Vorwand verwendet werden könnte, Moscheen, als heilige muslimische Orte, in denen gebetet wird, zu verwanzen», sagt Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz. Als Muslime seien sie besonders daran interessiert, dass das Image und der Ruf der Muslime in dem Land, in dem sie lebten, unbescholten bleibe. «Umwerbungen» von Schweizern für dschihadistische Zwecke dürften prinzipiell nicht stattfinden. «Wir stehen auf der Seite des freiheitlichen Rechtsstaates und wollen nicht, dass daraus ein Polizeistaat entsteht. Jegliche politische Ausnutzung des Themas halten wir für opportunistisch.»

Geheimdienst-Chef Seiler selber hält eine Verwanzung von Moscheen für unnötig: «Dschihadisten treffen sich öfter in privaten Räumlichkeiten oder in Hotelzimmern um ihre Reisen zu planen. Es wäre einfacher, dort die Mikrophone anzubringen», sagte er gegenüber «Le Temps».

Einsatz neuer Mittel
Der Bundesrat teilte letzte Woche mit, dass er die Kompetenzen des Nachrichtendienstes per Gesetz ausweiten will. Künftig soll er Terror- oder Spionageverdächtige auch im Inland präventiv überwachen können. Die bisherigen Mittel reichten nicht mehr aus, angesichts der «zunehmend aggressiveren Akteure, die die innere und die äussere Sicherheit der Schweiz bedrohen», heisst es in der Botschaft, die der Bundesrat in die Vernehmlassung schickte. Gemeint seien damit etwa Dschihadisten oder ausländische Spione, erläuterte Bundesrat Maurer vor den Medien. So soll der NDB nach dem Willen des Bundesrates die Befugnis erhalten Wanzen zu installieren, Telefone zu überwachen, Post zu öffnen und Handys zu orten.(Quelle 20min)

Geheimdienst warnt vor Dschihadisten

Dschihadisten werben laut dem Nachrichtendienst zunehmend Mitglieder in der Schweiz an. Für Sicherheitspolitiker wäre eine Verwanzung von Moscheen denkbar. Der Dachverband der Muslime in der Schweiz wehrt sich.
Wie viele Dschihadisten in der Schweiz aktiv sind, will der Schweizer Geheimdienst nicht kommunizieren.
Die Öffentlichkeit ist nur über einen Bruchteil der tatsächlichen Vorkommnisse informiert. Infolge des arabischen Frühlings wären neue Destinationen bei dschihadistisch motivierten Reisebewegungen feststellbar, schreibt der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2012. «Was uns Sorge macht ist, dass es immer mehr Leute gibt, welche hierzulande Schweizer für den Dschihad anwerben», sagt Geheimdienst-Chef Markus Seiler in einem Interview mit dem «Berner Oberländer».
Es bestehe die Gefahr, dass radikalisierte Personen aus dem Kreis der in der Schweiz lebenden Diasporagemeinschaften rekrutiert würden und nach einer Ausbildung zum Dschihad im Ausland in der Schweiz aktiv werden. Erst im Juni letzten Jahres hatte das Bundesamt für Polizei (fedpol) ein befristetes Einreiseverbot gegen einen Bieler Gymnasiasten verhängt, der in Kenia wegen mutmasslicher Verbindungen zur somalischen Al-Schabaab-Miliz verhaftet wurde. Gegenwärtig kursieren Videos im Internet, auf denen ein Deutscher Dschihadist zum heiligen Krieg in Syrien aufruft, berichtet spiegel online.
Verkabelung heiliger muslimischer Räume
Die Informationen lassen Sicherheitspolitiker aufhorchen. Für Hans Fehr
(SVP), Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) ist klar, dass in solchen Fällen die vom Bundesrat vorgeschlagene Ausweitung der dem NDB zur Verfügung stehenden Mittel zum Zuge käme. «Eine elektronische Verwanzung von Moscheen muss möglich sein, wenn sich ein Verdachtsmoment erhärtet», so Fehr, «aber es wäre ein Spezialfall.» Damit es soweit käme, müsste ein Verdacht über die Prüfung mehrerer Instanzen hinweg bestätigt werden. Kommissionskollege Jakob Büchler (CVP) ist gleicher Meinung: «Es braucht eine gesetzliche Vorlage, damit Moscheen bei Terrorverdacht verwanzt werden dürften.» Würde das elektronische Abhorchen von Moscheen allerdings im Gesetzestext verankert, käme das neue Nachrichtendienstgesetz wohl kaum durch, sagt Büchler.
«Wir wehren uns dagegen, dass ein solcher Verdacht als Vorwand verwendet werden könnte, Moscheen, als heilige muslimische Orte, in denen gebetet wird, zu verwanzen», sagt Hisham Maizar, Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz. Als Muslime seien sie besonders daran interessiert, dass das Image und der Ruf der Muslime in dem Land, in dem sie lebten, unbescholten bleibe. «Umwerbungen» von Schweizern für dschihadistische Zwecke dürften prinzipiell nicht stattfinden. «Wir stehen auf der Seite des freiheitlichen Rechtsstaates und wollen nicht, dass daraus ein Polizeistaat entsteht. Jegliche politische Ausnutzung des Themas halten wir für opportunistisch.»
Geheimdienst-Chef Seiler selber hält eine Verwanzung von Moscheen für unnötig: «Dschihadisten treffen sich öfter in privaten Räumlichkeiten oder in Hotelzimmern um ihre Reisen zu planen. Es wäre einfacher, dort die Mikrophone anzubringen», sagte er gegenüber «Le Temps».
Einsatz neuer Mittel
Der Bundesrat teilte letzte Woche mit, dass er die Kompetenzen des Nachrichtendienstes per Gesetz ausweiten will. Künftig soll er Terror- oder Spionageverdächtige auch im Inland präventiv überwachen können. Die bisherigen Mittel reichten nicht mehr aus, angesichts der «zunehmend aggressiveren Akteure, die die innere und die äussere Sicherheit der Schweiz bedrohen», heisst es in der Botschaft, die der Bundesrat in die Vernehmlassung schickte. Gemeint seien damit etwa Dschihadisten oder ausländische Spione, erläuterte Bundesrat Maurer vor den Medien. So soll der NDB nach dem Willen des Bundesrates die Befugnis erhalten Wanzen zu installieren, Telefone zu überwachen, Post zu öffnen und Handys zu orten.(Quelle 20min)